Eine Warenkreditversicherung (WKV) schützt insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen im Fall von Insolvenzen ihrer gewerblichen oder privaten Kunden vor Forderungsausfall. Lassen Sie sich nicht von der Wortgebung verwirren: Die Wörter Kreditversicherung bzw. Warenkreditversicherung bezeichen die gleiche Art von Versicherung. Bei der Warenkreditversicherung ist der Ausfall von Forderungen bei Warenlieferungen oder Dienstleistungen Gegenstand des Versicherungsschutzes. Die Liquidität des Unternehmens bleibt durch die Warenkreditversicherung gesichert, Gewinneinbrüche werden minimiert.

Funktionsweise der Warenkreditversicherung (WKV)

Die Leistung der Warenkreditversicherung resultiert aus dem Problem, dass zwischen der Lieferung einer Ware bzw. der Erbringung einer Dienstleistung und deren Bezahlung in der Regel ein zeitlicher Abstand von 30 bis 180 Tagen liegt. Das liefernde Unternehmen gewährt seinem Kunden somit bis zur endgültigen Bezahlung einen Kredit. Dieser Kredit wird deshalb auch Lieferantenkredit genannt. Dieser Kredit bindet im erheblichen Umfang Liquidität und ist üblicherweise auch zinsfrei, stellt also eine Form der Fremdfinanzierung aus Sicht des Unternehmens dar, dem der Lieferantenkredit eingeräumt wurde. Dazu kommt, dass umso länger das Zahlungsziel ist, umso unkalkulierbarer ist das Risiko des Unternehmens, das den Lieferantenkredit eingeräumt hat.

Unterschied Warenkreditversicherung und Factoring

Dieses Forderungsausfallrisiko kann nun entweder separat durch eine Kreditversicherung versichert werden oder im Rahmen eines Factoring-Vertrags auf eine Factoringfirma abgewälzt werden.

Genau dieses Risiko ist Gegenstand der Warenkreditversicherung (WKV), auch Forderungsausfallversicherung genannt. Mit Hilfe der Warenkreditversicherung wird also das Risiko des Forderungsausfalls und die Liquiditätsbelastung gegen die Versicherungsprämie eingetauscht.

Übrigens: Factoring bezeichnet den vertraglich geregelten Verkauf der Forderungen an ein Factoring-Unternehmen. Damit einhergehend wird meistens ein Forderungsausfall-Schutz (Delkredere) abgeschlossen.

Warenkreditversicherungen und Bonität

Unternehmen, die Waren liefern oder Dienstleistungen auf Rechnung erbringen, sollten sich mit Hilfe einer Warenkreditversicherung gegen das Risiko einer unbezahlten Forderung absichern und ihre Liquidität verbessern. So rechnete die Euler Hermes Kreditversicherungs-AG, Deutschlands führender Kreditversicherer, in 2009 mit einem deutlichen Anstieg der Insolvenzen in Deutschland auf insgesamt 33.800 Fälle. Intakte Unternehmen können durch unverschuldete Forderungsausfälle selber schnell in Zahlungsschwierigkeiten gelangen und damit in eine so genannte Folgeinsolvenz. Im Ernstfall kann eine Warenkreditversicherung vor der Insolvenz schützen.

Umfang der Warenkreditversicherung

Oft sind fehlende Bonitätsinformationen über Geschäftspartner eine Ursache für Forderungsausfälle. Die Warenkreditversicherung übernimmt in der Regel nicht nur die Entschädigung bei einem Forderungsverlust, sondern betätigt sich auch auf dem Feld der Bonitätsprüfung.

Wann greift eine Warenkreditversicherung?

Im Rahmen der Warenkreditversicherung tritt ein Versicherungsfall in dem Moment ein, wenn ein gerichtliches Insolvenzverfahren eröffnet oder mangels Masse abgewiesen wurde. Außerdem greift die Warenkreditversicherung bei Abschluss eines außergerichtlichen Liquidationsvergleichs oder bei fruchtloser Zwangsvollstreckung. Wird eine versicherte Forderung nicht innerhalb von drei Monaten beglichen, tritt ebenfalls die Warenkreditversicherung auch dafür ein.

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